Vereinsarbeit

Rezensionen

„Es ist faszinierend, diese Predigten zu lesen und sie zueinander in Beziehung zu setzen“. Eine Rezension zum aktuellen Predigtband

ORIENTierungen gibt es hier.

Nummer 13, Dezember 2018

Mitgliederversammlung 2018 in Frankfurt

Am 26./27.10.2018 fanden im Zentrum Ökumene in Frankfurt der EKHN und EKKW das diesjährige Rückkehrerseminar, der SiMO-Beirat und die Mitgliederversammlung unseres Vereins „Freunde der NEST e.V.“ statt. Wir danken Andreas Hermann für die wunderbare Gastfreundschaft!

Wieder einmal ergaben sich spannende Begegnungen und Gespräche rund um die Erfahrungen aus dem Libanon zwischen den unterschiedlichen NEST-Generationen. Der Austausch über schöne und schwierige interkulturelle und interreligiöse Erfahrungen im Nahen Osten erwies sich dabei wieder einmal als fruchtbar.

Mit einem anregenden Vortrag am Freitagabend im Bereich des interreligiösen Dialogs bereicherte der erste Doktorand des neuen Fachbereiches Islamischer Theologie in Deutschland, Dr. Ertugrul Sahin, unsere Zusammenkunft. Herr Sahin hatte sich am Zentrum für Islamische Studien an der Goethe Universität Frankfurt promoviert und referierte zum Thema „Minderheiten aus islamischer Perspektive“. Er legte dar, welche innerislamischen Diskussionen angesichts einer sich ausdifferenzierenden und globalisierenden Welt zur Minderheitenthematik in der islamischen Welt stattfinden und wie divers und komplex sich die Sachlage darstellt.

Am Samstag wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung des NEST-Freundeskreises dann ein neuer Vorstand gewählt. Unsere langjährige Vorstandsvorsitzende Claudia Rammelt, unsere Schatzmeisterin Uta-Zeuge sowie Vorstandsmitglied Sandra Lenke sind nach 14 Jahren bemerkenswerter Vereinsarbeit vom Vorstand zurückgetreten. Sie alle haben den NEST-Verein 2004 gegründet. Ihnen verdanken wir diesen wunderbaren Verein und das tolle Netzwerk der ehemaligen SiMO-Studierenden! Für all die Jahre des Engagements, des ehrenamtlichen Einsatzes und der Zusammenarbeit mit dem SiMO-Programm möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken!!! 

Nächstes Jahr steht nun das große Jubiläum bevor: Das SiMO-Studienprogramm wird 20 und der „Freunde der NEST-Verein“ 15 Jahre alt. Aus diesem Grund wird die nächste Mitgliederversammlung im Rahmen der sechsten internationalen Konsultation des SiMO-Programmes und der NEST zum Thema „The impact of the current political and social developments on the witness of the churches – a time for spiritual rebuilding?“ in Göttingen/Brenkhausen (Höxter) vom 24. bis 27. April 2019 stattfinden. Wer mag melde sich dazu bei Uwe Gräbe (graebe@ems-online.org) an. 

Schließlich freuen wir uns wie immer über Neuigkeiten und interessante Beiträge auf unserer Facebook-Seite. (https://www.facebook.com/friendsofNEST/)

Es grüßt euch die neue Vorstandsvorsitzende des NEST-Freundeskreises.

Anna-Katharina Diehl

Der neue Vorstand von „Freunde der NEST e.V.“ – Wer wir sind:

1. Vorsitzende: Anna-Katharina Diehl

Ich habe evangelische Theologie in Göttingen, Beirut und Marburg studiert. Im Libanon war ich 2010/11. Nach meinem regulären Vikariat habe ich ein Sondervikariat an der Missionsakademie in Hamburg gemacht, wo ich meine im Libanon gesammelten, interkulturellen Erfahrungen in der Arbeit mit den Stipendiaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika einbringen konnte. Momentan promoviere ich an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal über Theo Sundermeier. Auch in Zukunft möchte ich gerne in einem ökumenischen Bereich arbeiten…

2. Vorsitzende: Ann-Kathrin Knittel

Ursprünglich komme ich aus dem schönen Sachsen. Ich habe ev. Theologie in Erlangen, Heidelberg, Leipzig und 2011/12 an der NEST studiert. Nachdem ich die letzten Jahre viel Zeit meiner Doktorarbeit am Alten Testament gewidmet habe, bin ich nun seit März im Vikariat in Eberbach am Neckar.

Schatzmeister: Andreas Prell

Ich habe bis 2014 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Evangelische Theologie, Politik- und Islamwissenschaften studiert. 2010/2011 nahm ich am SIMO-Programm an der Near East School of Theology in Beirut teil und sammelte dort viele Erfahrungen im interreligiösen Dialog. In den vergangenen Jahren besuchte ich mehrere Fortbildungen zum Integrations- und Dialogbegleiter und war auch selbst als Referent zu interkulturellen und -religiösen Fragen tätig. Bis zum Sommer 2018 war ich als Bildungskoordinator für Neuzugewanderte am Landratsamt Wunsiedel im Fichtelgebirge (Oberfranken) beschäftigt. Heute arbeite ich für die Eugen-Biser-Stiftung in München als Bildungsreferent für christlich-muslimischen Dialog. Wer mehr über die Eugen-Biser-Stiftung erfahren will, kann gerne meinen Artikel zur Stiftung lesen.

NEST-Kontakt-Beauftragter: Lukas Frederik Reinek

Ich habe evangelische Theologie in Gießen, Beirut und Philadelphia studiert. Im Jahr 2013/14 habe ich am SIMO-Programm im Libanon teilgenommen. Heute arbeite ich als Projektkoordinator für das Hilfswerk „Christlicher Hilfsbund im Orient e.V.“ Im September 2018 bin ich neu in den Vorstand von „Freunde der NEST e.V.“ gewählt worden. Über meine Arbeit reise ich regelmäßig nach Armenien und in den Libanon und kann somit gut den persönlichen Kontakt zur NEST halte. Wer mehr über mich und den Hilfsbund lesen möchte, den lade ich ein, meinen Artikel „Christlichen Hilfsbund im Orient“ zu lesen… 

Medien-Beauftragte: Natalie Maximiliane Rink

2012 begann ich in München evangelische Theologie zu studieren, bevor ich nach meiner Zwischenprüfung an die Universität Marburg wechselte. Seit ich in Marburg bin, studiere ich zudem einen Bachelor in Nah- und Mitteloststudien mit dem Schwerpunkt Islamwissenschaft. Mit dieser Fächerkombination bot ein Auslandsjahr in Beirut viele Möglichkeiten. Dabei nutzte ich einerseits das Studium an der NEST und ergänzte andererseits meine, eher rudimentären, hocharabisch Kenntnisse mit Kursen in arabischem Dialekt. Ein einmonatiger Sprachaufenthalt in Tripoli, ganz im Norden des Landes, rundete meinen Auslandsaufenthalt 2016/2017 ab. Seit einem guten Jahr bin ich zurück aus dem Libanon und mitten in den Vorbereitungen für die Examensprüfungen. Nebenbei versuche ich natürlich auch, meinen Bachelor und die dazugehörigen Sprachkenntnisse nicht gänzlich verkümmern zu lassen. Mal sehen, wo es mich danach geographisch und inhaltlich hin verschlägt.

Die Eugen-Biser-Stiftung

Liebe Vereinsmitglieder und interessierte Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, dass ich im Oktober 2018 auf der Mitgliederversammlung der Freunde der NEST in Frankfurt/Main zum neuen Mitglied des Vorstands gewählt und zusätzlich mit dem Amt des Schatzmeisters beauftragt wurde.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und von der Tätigkeit meines Arbeitsgebers in München, der Eugen-Biser-Stiftung, berichten: Ich, Andreas Prell, arbeite heute für die Eugen-Biser-Stiftung in München als Bildungsreferent für christlich-muslimischen Dialog. Die gemeinnützige Stiftung wurde 2002 in München gegründet und ist überregional operativ tätig. Sie richtet ihren Blick aus christlichem Welt- und Werteverständnis auf die Zukunft des Christentums und auf den Zusammenhalt einer weltanschaulich pluralen Gesellschaft.

Dabei beherzigt die Stiftung die hochaktuelle These ihres Gründers, des Religionsphilosophen und Theologen Eugen Biser (1918-2014): 

     

EUGENBISERSTIFTUNG

Dialog aus christlichem Ursprung

Der Mensch ist in seiner Entwicklung von der Angst gehemmt, nicht als derjenige angenommen zu werden, der er ist. Bisers Grundanliegen ist es, aus dem christlichen Glauben heraus Existenzmöglichkeiten zu eröffnen. Aus dieser Kraft erlange der Mensch die Fähigkeit, sich neugierig und konstruktiv seinem Nächsten zuzuwenden.

Die Eugen-Biser-Stiftung bezeichnet diesen Auftrag als „Dialog aus christlichem Ursprung“. Wir setzen uns dafür ein, dass sich Christen und Muslime auf Augenhöhe begegnen und sich jeweils ausgehend von den eige- nen Wurzeln für die Anerkennung und Einhaltung von Menschenwürde und Religionsfreiheit einsetzen. Mit Workshops, Fortbildungen und Projekttagen an Schulen, in Jugendverbänden und Vereinen leisten wir einen Beitrag für interreligiöse Begeg- nungen. Wir schaffen Dialogräume, in denen sowohl Jugendliche als auch Erwachsene die Diversität der Lebenswelten und Überzeugungen kennenlernen und Vorurteile hinterfragen können.

Vielfaltssensibilisierung und interreligiöse Sprachfähigkeit sind Schlüsselqualifikationen, die für eine demokratische Zivilgesellschaft unentbehrlich sind: „Wir leben in einer Stunde des Dialogs und überleben nur, wenn die wachsenden Konfrontationen durch eine Kultur der Verständigung überwunden werden“ (Eugen Biser).

Andreas Prell

Christlicher Hilfsbund im Orient - „Für mich ist das auch schwer vorstellbar“

„Ja, und wie lange gibt es den Hilfsbund jetzt schon? Was? Schon über hundert Jahre? Hätte ich jetzt nicht gedacht! Wirklich?“, so oder so ähnlich erlebe ich oft die Reaktion, wenn ich von meiner Arbeit erzähle. Häufig schmunzle ich dann und erwidere: „Für mich ist das auch schwer vorstellbar. Aber ja! Seit 1896 gibt es uns! Ganz schön lange, ne?“

Johannes Lepsius und Ernst Lohmann gründeten den Christlichen Hilfsbund im Orient. Ausschlaggebend waren die Morde an den Armeniern im osmanischen Reich. Bereits 1896 gab es Übergriffe auf Armenier. Als der Genozid an Armeniern um 1915 verübt wurde, verstecken Missionare Waisenkinder und halfen beim Aufbau von Krankenhäusern und Schulen, wie z.B.: Hedwig Büll in Aleppo. Die Armenier fanden damals eine neue Heimat im Libanon und in Syrien. Es waren Missionsschwestern des Hilfsbundes, die im Libanon, in der Bekaa-Ebene in Anjar das evangelische Internat gründeten. Im letzten Jahr feierten wir 70-Jähriges Jubiläum der Internatsarbeit. 

Heute arbeitet der Hilfsbund in vier Ländern – Armenien, Libanon, Syrien und dem Irak. Unser Anliegen ist es den orientalischen Christen unter die Arme zu greifen. In Syrien und dem Libanon investieren wir uns in die Jugend. Sommerbibelschulen, Nachhilfeprogramme für Schüler in Syrien, die während des Krieges viel Unterrichtsstoff verpasst haben – wichtige Bildungsarbeit. Während der heftigen Kämpfe in Aleppo lag ein Schwerpunkt unserer Unterstützung beim Brunnenbau.

„Unglücklicherweise sind wir aufgrund der Emigration vieler Christen aus dem kompletten Irak zahlenmäßig schwach… Aber wir müssen unsere Rolle wiederfinden. Viele Christen haben im Westen gelebt und dadurch Ideen wie Säkularismus und Menschenrechte in den Nahen Osten gebracht. Es ist unser Ziel als christlich-humanitäre Organisation allen benachteiligten Volksgruppen im Nordirak zu helfen.“ Das sind die Worte von Erzdiakon Emanuel Youkhana. Er leitet unsere Partner-Organisation CAPNI im Nordirak. Seit 2014 unterstützen wir verschiedene Projekte für die „Wiederbelebung“ der Ninive-Ebene. Als der IS 2014 in Bashiqa, einem Ort in der Ninive-Ebene einmarschierte, flohen 500 Familien. Heute sind 250 wieder zurück.

In der Kaukasusrepublik Armenien sind wir seit 1994 aktiv. Unser Schwerpunkt in Armenien liegt auf Kinderpatenschaften. Diesen Bereich wollen wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen.

„Ja, ok und wie bist du denn zu dieser Arbeit gekommen? Wie muss man sich das vorstellen, wenn man für so ein altes Missionswerk arbeitet?“, ist in den meisten Fällen die Anschlussfrage.

Als Theologiestudent hatte ich die Möglichkeit am SIMO Programm an der NEST teilzunehmen – 2013 bis 2014 war ich in Beirut. Das war eine gute Erfahrung, obwohl das Leben mitten in Beirut echt anstrengend ist. Im Libanon traf ich zum ersten Mal auf Armenier – Hörte Geschichten über den Genozid. Meinen Chef Dr. Andreas Baumann traf ich in Deutschland bei einem Vortrag zur Geschichte des Hilfsbundes. Irgendwann kam dann die Anfrage, ob ich nicht beim Hilfsbund anfangen möchte – so kam das. Als Projektleiter bin ich verantwortlich für die Projekte in den Ländern Libanon, Syrien und Armenien. Ich bin damit beauftragt die Projektländer regelmäßig zu besuchen, Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland zu machen und das Thema orientalische Christen für die jüngere Generation attraktiv zu machen. 

Über die Anfrage für die Vorstandsarbeit bei Freunde der NEST e.V. hatte ich mich gefreut. Jetzt habe ich noch einen Grund mehr die NEST in Beirut zu besuchen. Bin gespannt was wir bewegen können für das Leben und Lernen rund um die NEST.

Lukas Reinek

Bericht über das Studienjahr 2017/18 an der NEST

September 2018, sieben neue SiMOs werden im Kosmos der NEST willkommen geheissen. Jede*r mit seinen*ihren eigenen Vorstellungen, Vorsätzen, To-Do Listen und Erwartungen im Kopf. Und jede*r von uns verlässt das Jahr anders als sie*er angekommen ist. Der Bericht einer Metamorphose.

Am Anfang überwog die Euphorie: Ein neuer Kontext, eine neue Welt, neue Gegenüber, neue Sprachen, neue «Kultur»: Es gab so viel zu entdecken! Wir zogen los, in und ausserhalb der NEST-Community, zu Fuss durch die ganze Stadt Beirut. An einem dieser Spaziergänge wurden wir von einem Libanesen, der in die Schweiz emigriert ist, angehalten, der uns lachend im breitesten Basler-Deutsch erklärte, er hätte uns gestoppt weil er wusste, dass wir Mitteleuropäer sein müssen. Kein Libanese würde hier zu Fuss herumspazieren…So haben wir uns wohl oft verhalten: Typisch ausländisch. Alles war aufregend, spannend, anders.