Vereinsarbeit

Rezensionen

„Es ist faszinierend, diese Predigten zu lesen und sie zueinander in Beziehung zu setzen“. Eine Rezension zum aktuellen Predigtband

ORIENTierungen gibt es hier.

Nummer 12, Dezember 2017

Mitgliederversammlung 2017 in Stuttgart

In einer Zeit, in der in vielen Teilen der Welt Religion immer exklusiver wird und man immer weniger das Gemeinsame sucht, war der Vortrag Prof. Dr. Stefan Schreiner (Tübingen) zum Thema „Judentum/Christen-tum/Islam – von Identität durch Abgrenzung zu wechselseitiger theologischer Abhängigkeit“ ein wahrer historischer Lichtblick. Seit dem 9. Jahrhundert gehörten theologische Diskurse zwischen den Religionen in Gelehrtenkreisen zur Normalität. In manchen Fällen ist sogar eine Zuweisung des Autors zur einen oder anderen Religion nicht möglich. Das theologische Wissen und die Textsicherheit in den jeweiligen heiligen Schriften gehörte in jener Zeit in den Gelehrtenkreisen scheinbar zur Selbstverständlichkeit. Über den Anderen lernen, um sich selbst besser zu erfahren – das ist der wunderbare Nebeneffekt, der sich durch das Studium an der N.E.S.T. für alle SiMO-Studierenden einstellt. In Zeiten wo universitäre Austauschprogramme zurückgefahren, die interreligiöse und transkulturelle Kompetenz jedoch auch im Pfarramt oder in anderen Berufen immer mehr gefordert ist, braucht es Initiativen wie das SiMO-Studienprogramm. Das hat sich auch bei unseren Begegnungen und den Sitzungen in Stuttgart von Neuem gezeigt. Wir haben wieder einmal gemerkt, dass uns der Libanon bzw. der Nahe Osten auf die eine oder andere Art und Weise auch in unsere beruflichen Laufbahnen weiterhin begleiten. Umso schöner war es voneinander zu hören und zu lernen sowie von den ganz eigenen Eindrücken der fünf RückkehrerInnen vom Studienjahr 2016/17 zu erfahren. In zwei Jahren steht uns ein großes Jubiläum bevor: Das SiMO-Studienprogramm wird 20 und der Verein 15 Jahre alt. Aus diesem Grund wollen wir uns selbst mit einem Bildband mit kurzen Texten zum Studienjahr im Libanon beschenken. Eine Rundmail an alle mit der Bitte, die schönsten und kunstvollsten Fotos vom eigenen Jahr im Libanon einzusenden, wird noch folgen. Für die SiMO-Beiratssitzung und die Vereinsversammlung nach Stuttgart zu reisen und im Gebäude des ems zu tagen hat sich ein wenig angefühlt wie „nach Hause kommen“. Hier begann schließlich unsere Reise in den Libanon. Ursula Feist und Uwe Gräbe sei ganz herzlich für das Willkommenheißen im ems und die schöne Tagungsatmosphäre gedankt! Die nächste Mitgliederversammlung wird in Frankfurt/Main vom 2. bis 3. November 2018 stattfinden. Bitte jetzt schon einmal vormerken, denn es wird ein neuer Vorstand gewählt. Wie in jedem Newsletter zu lesen, freuen wir uns natürlich auch weiterhin über Neuigkeiten und interessante Beiträge auf unserer Facebook-Seite.

Uta Zeuge-Buberl

Aufruf zur Mitarbeit: Broschüre annlässlich von 20 Jahren SiMO und 15 Jahren „Freunde der NEST e.V“

Das ist Grund zum Freuen, Grund zum Feiern und dazu gehört auch, zurück zu blicken auf Erfahrungen und Erinnerungen …

Somit planen wir in Zusammenarbeit mit dem SiMO-Programm eine kleine Broschüre. Wer immer dafür noch Ideen hat, kann diese gerne einbringen. Bitte schickt uns bis einen kleinen Beitrag, eine Momentaufnahme, ein beeindruckendes Erlebnis, eine ergreifende Begegnung, ein nachhaltiges Gespräch, das ihr an der NEST oder im Libanon gemacht habt… Schreibt bitte nicht mehr als ½ Seite!

Außerdem planen wir einen Fotowettbewerb: zur nächsten Mitgliederversammlung wollen wir die besten drei Fotos auswählen! Bitte sendet uns deshalb Fotos aus eurer Zeit an der NEST bis zum 15. September 2018, die schriftlichen Beiträge sendet bitte bis zum 30. Juni 2018 an:

claudiarammelt@web.de

Bericht über das Studienjahr 2016/17 an der NEST

Und wieder ist ein Studienjahr an der NEST vorüber: Ein Jahr voller Höhen und Tiefen, voller interessanter Begeg-nungen und weniger interessanten Stunden (z.B. des im Stau-Stehens in Beiruts Straßen…). Voller neuer Erkenntnisse und voller Fragezeichen. Ein Jahr voller Kontraste: So nah am syrischen Kriegsgebiet und doch in den feiernden Clubs der Stadt Beirut.

Am SiMO-Programm 2016/17 der EMS haben wir zu fünft teilgenommen: Clemens, Hannah, Marius, Maxie und ich. Zu fünft, das ist bei knapp 20 Studierenden an der NEST gar nicht wenig…

Was habe ich mitgenommen und was gelernt? Manches kommt erst so nach und nach an, wenn ich an einer Seminarvorbereitung sitze zum Thema Israel, wenn ich eine kleine Andacht mit Freund_innen gestalte oder wenn ich auf einmal Leute suche, die mit mir über Hariri und die Politik im Nahen Osten sprechen wollen…

Hier nun einige Eindrücke zu meinem Jahr: Das Jahr war einerseits geprägt von Enge (durch den kleinen Studienort inmitten Beiruts, durch die theologischen Debatten, durch das Land Libanon selbst mit seiner geographischen Lage, etc.) und andererseits von Weite (durch neue theologische Einsichten, durch das Studium des Islams, durch neue Begegnungen mit vielen anregenden Menschen und vieles mehr).  Mein größter Gewinn war es, die Ostkirchen und orthodoxen Kirchen so intensiv kennen lernen zu können!

Gottesdienstbesuche, liturgische Erläuterungen, Überblicke über die geschichtlichen Entwicklungen. Spannend, wie vielfältig die christlichen Traditionen hier im Libanon und der Umgebung gelebt werden. Neben dem Kurs „Contemporary Eastern Churches“ besuchten wir Islamkurse und dann weitere Kurse je nach Interesse. Immer wieder haben wir diskutiert, nicht zuletzt bei einem Ethikseminar – Wie halten wir es nun theologisch mit Homosexualität? Spannend war es zu sehen, was die Vielfalt der christlichen Auslegungen bedeutet, und dabei waren auch wir Studierende ja wieder nur eine kleine, wenn auch bunte, Menge der christlichen Spannweite!

Das zeigte sich auch in den täglichen Andachten, die auch wir regelmäßig gestalteten.

Auch unsere SiMO-Gruppe wurde hier immer wieder sehr herausgefordert. Mit unseren unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen haben wir theologische und politische Debatten immer wieder gesucht und gefunden. Die gemeinsamen Essenszeiten der NEST eigneten sich hierfür besonders, ebenso wie der Nachmittagskaffee, an dem auch oft Lehrpersonen teilnahmen.

Wir wurden sehr herzlich empfangen an der NEST, Gestaltungsfreiraum war jedoch mitunter schwierig. Was machen wir hier, die wir für ein Jahr die Chance haben einzusteigen? Ja, von den vergangenen Jahrgängen wird immer wieder erzählt, selbst graduierte Theolog_innen kamen und sprachen mich an auf ihre „SiMO-KollegInnen“! Jetzt gehören wir auch schon dazu. Was bleibt? Für uns und für die Studierenden vor Ort? Ich habe viel gelernt, gerade auch von meinen Kommiliton_innen und bin beeindruckt von ihrem Willen, Motivation und Aufwand des Theologiestudiums. Ich wün-sche mir, dass sie die Möglichkeit bekommen, auch an anderen Orten der Welt Theologie zu treiben und würde sie gerne hier begrüßen!

Das würde ich vielleicht noch auf Arabisch können, aber dann hört es auch schon auf… Wir fünf waren wirklich alle sehr motiviert

Arabisch zu lernen. Vom regelmäßigen Sprachunterricht (und verzweifelten Suchen einer passenderen Sprachschule) bis hin zu Tandemfreundschaften bemühten wir uns redlich es zu lernen… Unter dem Strich bleibt für mich (neben einigen Euro weniger in der Tasche) vor allem die Lust, doch nochmal woanders richtig Arabisch zu lernen 😉 – Denn in Beirut und gerade in unserem Umfeld an der NEST, war Englisch immer die erste Sprache.

Libanon, ein Land der Spannungen: Wie geht es politisch weiter? Die Wahl von Aoun war ein politisches Highlight während unserer Studienzeit (v.a. die Werbetafeln, die schon in den Tagen vor seiner Wahl im Namen von Großunternehmen etc. dem neuen Präsidenten gratulierten). Aber auch Einblicke in Beiruts aktivistischen Szenen bei Demonstrationen oder spannende Diskussionsrunden an der AUB und LAU waren für mich abwechslungsreiche Programmpunkte. Die Geschichte des Landes, die ihre Spuren in der Hauptstadt hinterlassen hat, ist komplex. Und je nachdem wen wir fragten, wurde sie uns anders erzählt. „Wer den Libanon glaubt verstanden zu haben, dem hat man ihn nicht richtig erklärt“, heißt ein Sprichwort. Ja, so fühle ich mich. Je länger ich dort war, desto komplexer schienen alle Zusammenhänge…

Irgendwie war vieles skurril und für mich teilweise schwer hier in meinem deutschen Kontext zu erklären. Irgendwie war es doch wie daheim, ja, ich konnte anziehen was und rumlaufen wie ich wollte und ja, ich habe mich sicher dort gefühlt. Und doch war manches ganz anders.

Nicht zuletzt die Erfahrung, in solch einer Lebens- und Lerngemeinschaft zu leben:
Es grüßt aus der letzten Weihnachtszeit
der Chor der NEST alias „die singende Quidditchmannschaft“!

Lydia Kathzenberger

Comment on the academic year 2017/18 at NEST

The academic year 2017/18 marks the 85th anniversary of the founding of the Near East School of Theology. We did not have big celebrations or special memorabilia produced; we simply decided to commemorate it by launching the Arabic translation of the complete text of John Calvin’s Institutes of the Christian Religion. This was a project that NEST had been working on for the last 9 years, and we finally managed to complete it in the fall of 2017. It is a major achievement and an important addition to the Arabic Christian library.

Three months into the new academic year, NEST is doing very well. Despite all the turmoil and upheaval in the region, Lebanon remains calm and normal. We had our political crisis in October when our Prime Minister resigned on TV from Saudi Arabia and launched a heavy political attack on Iran and Hezbullah and their meddling in Lebanese politics. The international news exaggerated the possible consequences of this event greatly, and our friends in the west started sending us messages of anxiety and deep concern about an impending “war” in Lebanon! Nothing of the sort was experienced in Lebanon; it was an acute political crisis, to be sure, but it had no repercussions on the daily life of people, and certainly no security implications. Life went on normally in the country and in the Seminary. Now, the crisis is resolved. And just today, the results of a poll were published in the most widespread Lebanese newspaper, An-Nahar, saying that the overwhelming majority of Lebanese are optimistic about the future.

The SiMO program is flourishing this year. It has 11 students out of a total of 37 altogether: 6 Germans, 1 Swiss, 1 Austrian, 1 Dutch, and 2 Americans. The biggest number of students are Syrians, however. All our regular activities still takes place: monthly Public Lectures, Christian-Muslim dialogue sessions, publication of the Theological Review, workshops and seminars.

N.E.S.T. has been serving the churches and the wider community for 85 years, and it hopes to continue serving in this country and in this region of the world for the next 85 years and more. What we need to go on and persevere, besides God’s help and grace, are Middle Eastern Christians who are committed to the gospel message of forgiveness, reconciliation and love, and who are convinced that this message must never be left without a witness in this region of the world. We hope we are doing our small part in preparing such committed and convinced witnesses.

Thank you, friends of NEST, for your continued concern and support!

George Sabra
Beirut, 27/12/2017

Seife der Hoffnung aus Kessab im Türingischen Pfarrhaus

Ein Dorfpfarramt ist doch keine Drogerie. Ein Pfarrer kein Seifenhändler. Und Seife kommt in der Bibel auch nicht so oft vor. „Doch“, sage ich „bei Jeremia im 2. Kapitel, Vers 22:: Und wenn du dich auch mit Lauge wüschest und nähmest viel Seife dazu, so bleibt doch der Schmutz deiner Schuld vor mir, spricht Gott der HERR.“

Wir machen uns schuldig, wenn wir meinen, eh nichts ändern zu können. Und deshalb gibt’s Seife im Dorfpfarramt zu kaufen. Und das kam so:

Liza Titizians Familie, die einige aus ihrer NEST-Zeit in Beirut kennen, stammt aus Kessab in Nordsyrien. Dort hatte ihr Bruder Avedis einen kleinen Handwerksbetrieb, der nach traditioneller Art die in ganz Syrien bekannte Olivenseife herstellte. Nachdem er nach Beendigung der Kamphandlungen zwischen Rebellen und syrischer Armee in seinen Heimatort zurückkkehren konnte, war seine Werkstatt zerstört und geplündert. Mit einer ersten Spende halfen wir ihm, notwendiges Werkzeug und Material zu kaufen, um die Produktion seiner Seife neu zu beginnen. Bei dieser Unterstützung blieb es jedoch nicht. „Mach doch mal ne größere Menge und wir helfen Dir, die Seife in Deutschland zu verkaufen.“

Im Herbst 2017 kamen 500 kg in Ostthüringen an. Der Duft von Olivenseife und Lavendel liegt seitdem in unserem alten Pfarrhaus. Mit Konfirmanden und Ehrenamtlichen unserer Gemeinde wurde die Seife zum Weitertransport verpackt. Das Verpackungsmaterial wurde durch eine ortsansässige Verpackungsfirma gespendet. Ein Begleitflyer erzählt in Text und Bildern die Geschichte von Avo,- so heißt unsere Seife.  Zum Preis von 3,50 €/Stück konnte die Seifenstücke im Pfarramt bestellt werden und gingen als Paket hinaus von Hamburg bis ins Aargau und von Köln bis nach Wien.

Das Interesse war überwältigend. Die berechtigte Angst auf mehrere hundert Kilogramm Seife sitzenzubleiben, war unbegründet. Fast täglich kamen gleich mehrere Bestellungen per Mail von Privatpersonen, Gemeinden und diakonischen Einrichtungen wie Flüchtlingsberatungsstellen, aber auch kommunale Ämter interessierten sich für die spezielle Ware mit einer Geschichte und einem Gesicht dahinter aus Syrien als Geschenk für ihre ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter. Ein großer Dank gilt Bochumer Studenten, die zwei Tage auf dem Weihnachtsmarkt in Bochum und ebenso auch vor der Universität an einem Stand unter widrigsten Witterungsverhältnissen die Seife verkauften.

Kirchenzeitungen und ev. Rundfunk berichteten von der ungewöhnlichen Hilfsaktion aus dem ostthüringischen Dorfpfarramt. Nun sind fast alle Seifen verkauft. Eine erste Rate aus dem Verkaufsgewinn in Höhe von 5000,- konnte Anfang Dezember 2017 an Avedis überwiesen werden. Wenige Restexemplare sind noch im Pfarramt bestellbar. Im Januar 2018 erfolgt die Überweisung der

Schlußrate aus dem Verkaufsgewinn. Der Verkaufserlös geht abzüglich der Transport, Steuer- und Zollkosten direkt an Avedis Titizian zurück nach Syrien. Gerne würden wir auch nach Abschluß dieses Projektes Avedis Titizian anbieten, kontinuierlich für den deutschsprachigen Raum seine Seife zu produzieren. Hierfür suchen wir Kontakte zu Drogeriemärkten, eine Welt-Läden oder ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten. Das Seifenprojekt war ein Start-up-Projekt im back-to-the job-sector. Es hat nicht nur Avedis bei der Vermarktung seiner Seife geholfen, sondern Dank der bundesweiten Vermarktung auch dazu beigetragen, dass das sozialdiakonische Projekt unserer Kirchengemeinde: „Hilfe für Nahost“ enorm an Bekanntheit im deutschsprachigen Raum hinzugewonnen hat. Über dieses seit vier Jahren bestehende Spendenkonto unserer Gemeinde wurde auch der Zahlungsverkehr des Seifenprojektes transparent abgewickelt. Darüber hinaus konnten wir Dank vieler landeskirchlicher, kirchgemeindlicher und Dank auch von vielen

Privatspendern in 2017 wieder Projekte in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern mit einem Gesamtvolumen von 130.000 EUR im Libanon, Syrien und im Nordirak unterstützen.

Pfarrer Christian Kurzke,
Rüdersdorf/Thüringen

Seife der Hoffnung – auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt und an der Ruhr-Universität

Dem Nahen Osten sind wir schon einige Zeit verbunden. Seife hatten wir bereits im letzten Jahr in unserem Gepäck, als wir aus dem Libanon von der Veranstaltung zur  Reformation und dem „Orient“ an der Near East School of Theology zurück reisten.

Schnell waren die Kilos verkauft. In diesem Jahr wurden es mehr Kilos. In Zusammenarbeit mit dem Pfarramt in Rüdersdorf verkauften wir Seife. Danke dem Pfarrer für die Zusammenarbeit. Wir froren auf Weihnachtsmarkt und zwischen den Unigebäuden, aber das Frieren wurde getragen von vielen Menschen, die sich ansprechen ließen und Seife kauften. Viele waren auch durch die Ankündigungen auf Facebook aufmerksam gemacht worden und kamen gezielt zu unserem Stand: „Ihr seid die mit der Seife?“ Und noch kommen Bestellungen rein.

Vielen ging es auch nicht nur um ein nettes Weihnachtsgeschenk, sie waren interessiert, warum, was und wie. Schnell entspann sich daraus ein Gespräch über Politik und Religion, den Frieden in Nahost … Neue Netze für die zukünftige Zusammenarbeit konnten geknüpft werden.

Seife der Hoffnung ist keine bloße Vermarktung von wohlriechender Seife aus dem krisengerüttelten Syrien. Mit unserem Engagement wollen wir die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit orientalischer Kirchen- und Missionsgeschichte, Fragen der christlich-muslimischen Koexistenz konkret werden lassen. Damit einhergehen nicht nur gut zu diskutierende Fragen im Seminar, sondern sie bedeuten auch, Verantwortung zu übernehmen für die Geschwister im Glauben, für alle Menschen, die in Not sind und mit ihnen gemeinsam Hoffnung für Frieden zu haben. Mögen die Menschen in Syrien die Hoffnung für ihr Land und eine friedliche Koexistenz in diesem nicht verlieren.

Jan Gehm, stud. theol. Bochum

Bericht über Probedienst beim Lutherischen Weltbund

Seit März 2016 arbeite ich als Theologische Assistentin in der Abteilung für Theologie und Öffentliches Zeugnis des Lutherischen Weltbundes (LWB) (www.lutheranworld.org) in Genf, da ich für die Zeit meines Probedienstes von der Württembergischen Landeskirche zum LWB entsandt wurde. Der LWB ist eine Gemeinschaft von 145 evangelisch-lutherischen Kirchen weltweit, darunter sind elf deutsche Mitgliedskirchen (cf. http://www.dnk-lwb.de/). Insgesamt gehören über 74 Millionen Menschen aus 98 Ländern zu unserer Kirchengemeinschaft.

Als Theologische Assistentin liegen meine Hauptaufgaben im Bereich der Ökumene. So koordiniere ich z.B. die Arbeitsgruppe, welche die Ausrichtung der ökumenischen Arbeit des LWBs in den nächsten Jahren erarbeitet. 2016 habe ich zudem bei den Vorbereitungen des gemeinsamen ökumenischen Reformationsgedenkens, das am 31. Oktober 2016 in Lund (Schweden) stattfand, mitgearbeitet. Zum ersten Mal in der Geschichte gedachten Vertreter/Innen der katholischen und der evangelischen Kirche auf Weltebene gemeinsam der Reformation. So feierten Papst Franziskus, der frühere Präsident des LWB Bischof Dr. Munib Younan und der Generalsekretär des LWB Pfr. Dr. Martin Junge zusammen mit der schwedischen lutherischen Erzbischöfin Dr. Antje Jackelén und dem katholischen Stockholmer Bischof Anders Arborelius einen ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kathedrale in Lund.

Anschließend unterzeichneten Caritas Internationalis und der Lutherische Weltbund ein „Memorandum of Unterstanding“ in dem sie sich zu mehr Zusammenarbeit verpflichteten.

Zusätzlich zur ökumenischen, theologischen und interreligiösen Arbeit, hat die Abteilung für Theologie und öffentliches Zeugnis die Stärkung von Gendergerechtigkeit und Advocacy innerhalb der Kirchengemeinschaft zur Aufgabe.

Im Bereich Advocacy/Menschenrechte arbeitet auch ein ehemaliger NEST Student: Emmanuel Gore, der aus dem Sudan stammt.

Neben der Theologieabteilung gibt es im Gemeinschaftsbüro des LWB noch die Abteilung für Mission und Entwicklung, welche die Arbeit in den Mitgliedskirchen und die Vernetzung der

Mitgliedskirchen unterstützt, sowie den Lutherischen Weltdienst, der Not- und Entwicklungshilfe leistet. So unterstütz der Weltdienst ca. 2,7 Millionen Menschen weltweit, darunter über 1,3 Millionen Flüchtlinge. Eingeladen von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), deren früherer Bischof Munib Younan bis Mai 2017 der Präsident des LWBs war, unterstützt der Weltdienst Menschen, z.B. im Flüchtlingslager Za‘atari. Dort betreibt er u.a. eine „Peace Oasis“, in der „Life-skills“ Kurse in den Bereichen Frisör, Nähen, Computer, Englisch, Business und Marketing angeboten werden sowie psychosoziale Unterstützung, bei der auch der Glaube der Flüchtlinge explizit als Ressource in die Traumabewältigung einbezogen wird, was bei säkularen NGOs oder staatlichen Hilfsorganisationen oft nicht der Fall ist.

In meiner Arbeit beim LWB gibt es immer wieder Anknüpfungspunkte an meine Zeit im Libanon und ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte an der NEST zu studieren. So finde ich es sehr hilfreich, dass ich im Libanon u.a. eine evangelische Kirche in einer „minority in the minority“ Situation erlebt habe.

Miriam Haar

Bericht über Sondervikariat in der Missionsakademie an der Universität in Hamburg

Seit meinem Studium an der NEST im Jahr 2010/11 interessiere ich mich für die Ökumene. Die NEST hat mir damals die Augen dafür geöffnet, dass die Gemeinschaft von uns ChristInnen weiter reicht als nur bis zur Grenze der eigenen Ortsgemeinde und dass wir weltweit Brüder und Schwestern in Jesus Christus sind!

Umso mehr freue ich mich darüber, nun für ein Jahr ein Sondervikariat in der Missionsakademie an der Universität in Hamburg machen zu dürfen. Diese wunderbare Möglichkeit einer praktischen Vertiefung im Bereich Ökumene verdanke ich zum einen meiner Landeskirche Hannover, die mir das Sondervikariat finanziert, zum anderen meiner Mentorin Uta Andrée, der Geschäftsführenden Leiterin der Missionsakademie, welche mich an der Missionsakademie begleitet.

Seit mehr als fünfzig Jahren ist die Missionsakademie ökumenischer Begegnungs- und Studienort für TheologInnen, PfarrerInnen und Interessierte an Mission und Ökumene aus Deutschland und aller Welt. Sie ist ein Ort für internationale Konferenzen, ökumenische Tagungen und bietet neben der inhaltlichen Begleitung auch Unterkunft und Verpflegung. Das Spektrum der Themen, die hier diskutiert  und erforscht werden, reicht von interreligiösen, entwicklungspolitischen bis zu klassischen theologischen Themen in ihrer ökumenischen Dimension.

Neben Tagungen aller Art stellte für mich die Durchführung des Global Ecumenical Theological Institute 2017 (GETI´17) ein besonderes Highlight dar, das hauptverantwortlich von meiner Mentorin organisiert worden war. Nachdem das letzte GETI 2013 in Südkorea in Seoul und Busan stattgefunden hatte, wurde das internationale Programm für 130 junge TheologInnen zwischen 20-35 in diesem Jahr in Berlin ausgerichtet. Hier traf ich unter anderem Raphael Sartorius, der im Jahr 2011/2012 an der NEST studiert hatte (siehe Foto)…

Neben der Unterstützung der Studienleitung bei der Vorbereitung und Durchführung von Tagungen besteht der Arbeitsschwerpunkt meines Son-dervikariates in der Unterstützung der acht StipendiatInnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Denn als An-Institut der Universität Hamburg ermöglicht es die Missionsakademie inter-nationalen PromovendInnen eine Dissertation im Fach evangelische Theologie zu schreiben. Besonders der theologische Austausch mit den Stipendiaten aus den unterschiedlichsten Kontexten wie Ghana, Indien, Kolumbien und Brasilien bereichert mich unermesslich…

Bisher haben noch keine StipendiatInnen aus dem Nahen Osten an der Missionsakademie promoviert. Doch evangelische BerweberInnen aus dieser Region würden die ohnehin schon internationale Gemeinschaft an der Missionsakademie natürlich sehr bereichern!!! 🙂

 Anna-Katharina Diehl

Report about the Global Ecumenical Theological Institute 2017 (GETI´17)

GETI’17 was an ecumenical-theological initiative for education and encounter for advanced theological students from all over the world who are studying in Europe. It took place from 19.05.-01.06.2017 in the premises of Stadtmission in Berlin. The aim and the theological content of GETI´17 was summarised in the claim “Reforming Theology – Migrating Church – Transforming Society”.

The programme of GETI´17 comprised keynote-lectures and seminar-groups, words of greeting and collective worship. Excursions to famous places in Berlin took place. On top of that, GETI´17 took part in and contributed in the 36th German Evangelical Kirchentag, which was celebrated in Berlin and Wittenberg. All of this enabled an encounter far in excess of the boarders of the local church-communities.

Some statistics about GETI’17 could be interesting: We had 130 students. The participants came from different denominations, embracing most of the current denominations in the world. GETI’17 students came from 58 countries…

In the year 2017 many looked back to the impulses which the reformation set for theology and church, for a new perspective on human life before God as individuals and as society. GETI’17 wanted to contribute to these reflections and likewise conceive perspectives for future generations and a Christian shape of Europe. We experience today that migration is sharpening our way of being church together.

We do not want to stay in the separation of religion, nation, ethnic group, race or economic power. We want to be part of a new movement towards an intercultural church, a church of open doors and encounter.

The concrete encounter and joint studies contributed to a European network of young theologians and strengthen the mutual perception of European and migrant churches.

Migration has a theological dimension. God sends his people, god is with every person on the move. GETI’17 wanted to raise questions and to bring new perspectives into the challenges of migration and reformation today towards a transformation of the European society.

All this ideas were dealt with in the two weeks, when 130 international Christian students shared their theological and personal ideas, their commitment to church and society and their visions on European Christianity.

For more visual impressions about GETI´17:

Anna-Katharina Diehl

Füreinander einstehen“ – Konferenz und gemeinsamer Gottesdienst mit Christen aus dem Orient in Berlin

Ein historisches Ereignis fand am 20./21. Oktober in Berlin statt: Der armenisch-orthodoxe Katho-likos Seine Heiligkeit Karekin II., der syrisch-orthodoxe Patriarch Seine Heiligkeit Ignatius Aphem II., der koptische Papst Seine Heiligkeit Tawadros II und der aus Indien kommende Patriarch Seine Heiligkeit Katholikos Basilios Marthoma Paulose II. mit ihren Delegationen waren auf Einladung der EKD im Rahmen des Reformationsjubiläums nach Berlin gekommen. Seit vielen Jahren bemühten sich Vorreiter um die Zusammenarbeit zwischen EKD und den orientalischen Kirchen. In verschiedenen Zusammentreffen und Konsulta-tionen wurden gemeinsam theologische Fragen diskutiert (1991 in Wenningsen und 1994 in Herrenberg), und die Lage der Christen in Nahost erörtert (2003). Alle Patriarchen waren der Einladung gefolgt. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung, die dem Treffen auch und gerade von orientalischer Seite zugemessen wurde.

In ihren Grußworten auf der Konferenz mit dem Thema „Füreinander einstehen“ berichte-ten die Patriarchen über die Situation in ihren Heimatländern. Tawadros verwies darauf, dass fanatische Bewegungen weiter auf dem Vormarsch sind und bedauerte im gleichen Atemzug, dass Christen den einzigen Ausweg im Verlassen des Landes erblicken können. „Dabei ist unsere Präsenz im Nahen Osten wichtig.“, so seine Worte.

Wir gehören zu Ägypten und stehen für Pluralität, führte er weiter aus. Der syrisch-orthodoxe Patriarch wies in diesem Zusammenhang  auf die bedeutende Rolle der Christen in der Geschichte hin, ihre Vermittlung griechischen Wissens an die arabische Kultur. Er sieht das Christentum in Syrien vor großen Herausforderungen stehen und fordert die internationale Gemeinschaft auf, Verantwortung zu übernehmen. Da baut er auf Deutschland und die konkrete Unterstützung der Evangelischen Kirche in Deutschland, wenn er sagt: „Wir sind nicht gekommen, um mit euch Reformation zu feiern. Wir sind hier, weil wir an die Freundlichkeit der Menschen glauben. Es ist Zeit, dass wir zusammen beten.“

Im gemeinsamen Gebet fand das miteinander seinen tiefsten Ausdruck. Neben den orientalischen Würdenträgern waren auch Vertreter der Ökumene geladen, die ins Gebet einstimmten. Den Berliner Dom erfüllten armenische, syrisch-orthodoxe und äthiopische Gesänge mit lauten und leisen Tönen. Mit dem gemeinsamen Gebet ist die Hoffnung verbunden, als Geschwister im Glauben ernst mit dem Bild des Apostels Paulus zu machen: „Wenn ein Glied leidet, leidet das andere Glied mit.“ Dass dies ein Weg ist, auf dem weitere Begegnungen wichtig sind, versteht sich von selbst. Möge diese nicht lange auf sich warten lassen, damit die einzigartige Zusammenkunft nicht nur ein wichtiges Ereignis im Jubeljahr der Reformation  bleibt. Die Frage nach dem Verbleib der Geschwister im Glauben im Orient ist nämlich auch eine Frage an uns. Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg bringt das auf den Punkt im Gottesdienst: „Wenn es keine orientalischen Kirchen mehr im Nahen Osten gibt, wir in den westlichen Ländern würden tatsächlich etwas vermissen. Ihre Liturgien, ihre Traditionen, ihre Geschichte sind ein kostbares Geschenk für uns.“

Claudia Rammelt

Ankündigung: Rima Nasrallah hält Lehrveranstaltungen in Göttingen

Ende Januar wird Dr. Rima Nasrallah, Dozentin an der N.E.S.T., zu Gast in Göttingen sein, um dort mehrere Lehrveranstaltungen, u.a. ein Ganztagsseminar, eine Vorlesung und ein Oberseminar zu halten.

Darin wird es thematisch um ihre Forschungen bezüglich Glaubens-praktiken im Libanon, welche konfessionelle Grenzen über-schreiten, gehen. Rima Nasrallah wird aber auch über aktuelle Herausforderungen der Christen im Nahen Osten referieren.

Wer gern Näheres zu den Terminen und Themen erfahren möchte, kann Prof. Martin Tamcke kontaktieren: mtamcke@gwdg.de

 Claudia Rammelt, Ann-Kathrin Knittel, Uta Zeuge-Buberl (Hg.)

ORIENTierungen
Die Bibel im Kontext gelesen
Reihe: Predigtempfehlungen, Band 3, 2017, broschiert, 196 Seiten
ISBN: 978-3-643-13607-7
€29.90

Die Erkenntnis, wie stark der eigene Lebenskontext prägt, ist eine fundamentale Voraussetzung dafür, andere Kulturen zu verstehen und Pluralität zu leben. Der vorliegende Band nimmt dies zum Ausgangspunkt und geht dem „Phänomen Predigt“ in seinen kulturellen, sozialen und konfessionellen Kontexten nach. Dazu werden zentrale, aber auch eher unbekannte Texte des Alten und Neuen Testaments jeweils aus deutschsprachiger und nahöstlicher Perspektive ausgelegt. Es eröffnen sich den Leserinnen und Lesern verschiedene theologische Denkweisen, die von schönen und auch schmerzhaften Erfahrungen erzählen, von großer Hoffnung und tiefem Glauben. 

„Es ist faszinierend, diese Predigten zu lesen und sie zueinander in Beziehung zu setzen“ – Rezension zum Buch.